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Mere Exposure - die alles erklärende Antwort?

Alle psychologische Themen
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tabledancer
Ambitionierter Schreiber
Beiträge: 704
Registriert: Mo Mär 12, 2018 9:15 am
Diskussionsersteller
Hat sich bedankt: 9 Mal
Danksagung erhalten: 10 Mal

Mo Mai 07, 2018 2:57 am

Es ist ja ein richtig gängiges Thema, da wir heute nicht umhin kommen, mit dem Smartphone geknipst zu werden.
Wieso sehe ich auf den Fotos hässlich aus?“
Kreeeisch, lösch das, oder ich kill dich!!!“

Wissenschaftler wollen nun die Ursache gefunden haben, seit langem ist der Mere Exposure Effekt bekannt und soll nun die Antwort liefern, warum es so ist, wie wir es so empfinden.
Aber stimmt das tatsächlich allein?
Dass wir uns im Spiegel spiegelverkehrt sehen, ist ja unbestritten und so kann ein Mere Exposure auftreten, aber ich muss mal eine Sache anbringen, die viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt: Heutzutage wird ja vieles mit dem Smartphone geknipst, wobei ich mich dann fragen muss, inwieweit sie mit richtigen Kameras mithalten können.
Zugegeben, die heutigen Smartphones bieten gute Kameras, aber es gibt eben auch die Mittelklasse Smartphones, die, wie ich finde, in den Haushalten auch ziemlich gut vertreten sind.

Um der Sache mal nicht vorzugreifen, verdeutliche ich hier mal, was ich meine:

Zu Zeiten, wo noch richtige Digitalkameras verwendet wurden mit vernünftigen Objektiven, Sensoren und allem, was zu einer Kamera gehört, hat man doch auch vernünftig auf Fotos ausgesehen. Hin und wieder hat mal eines nicht gefallen, je nachdem, wie einen der Schnappschuss erwischt hat, aber zur Hölle nochmal, die Proportionen im Gesicht und die Form haben gestimmt, so wie man es im Spiegel eben auch sieht, wenn auch andersherum.
Aber da hatte man kein aufgequollenes Gesicht gehabt, das aussieht, als wäre es mal eben weiter aufgepustet worden. Die Farben waren auch mehr natura, kontrastreich und nicht so aschfahl und blass...
Es hat doch Spaß gemacht, die Kamera zu zücken und sich zu knipsen und nicht wie heute einen Schweißausbruch bekommen, wenn man nur das Wort “Kamera“ hört.

Wenn man dann aber mal von jemanden Fotos macht, bei dem man sich denkt, shit, der sieht dennoch klasse aus, muss ich dann also scheiße aussehen?
Naja, es gibt Menschen, die auf Fotos einfach immer gut aussehen, da einige Merkmale wie Haar und starke Augenbrauen gute Konturen bieten, die sich nicht so leicht verziehen lassen wie es bei jemand anderes der Fall wäre.
Ich glaube kaum, dass jede Kamera für jeden von Vorteil ist, gerade wenn sie in einem Telefon verbaut ist.
Auch die Pixelanzahl sagt nichts darüber aus, ob die Kamera gut ist, die man verwendet.
Ich würde mehr auf das Objektiv und die Linse setzen, die das Bild einfangen können, ohne es zu verziehen. Sogenannte “Fischoptik“.
Was also ist mit Weitwinkel, Teleobjektiv und all das?
Richtige Fotografen verwenden immerhin auch DSLR mit großen Objektiven, Belichtung und Winkeln.
Und das nicht ohne Grund.
Das menschliche Gesicht ist ein Bereich mit vielen Ebenen und nun mal kein ebener, flacher Gegenstand.
Jedes Merkmal muss korrekt eingefangen werden, ohne Schatten, ohne Verzerrung, ohne Farbabfall. Die Detailtreue einer Kamera ist eben auch sehr wichtig. Wenn Schatten zu sehen sind, dann eben so, dass sie nichts verschwimmen.

Bild

Auch inmitten dieser Schatten sieht man dennoch Details und vermatschen nicht.
Auf meinem Smartphone würde meine Nase jetzt gigantisch aussehen, auf diesem Foto aber sieht man trotzdem noch klar die Kontur der Nase.
Der Mere Exposure wirkt auf mich als schwache Erklärung, wenn er alleine als Faktor in diesen Bereich als Antwort ins Feld geschubst wird.
Diese Erklärung kann man auf seinem Passbild anwenden. Oder die Dame auf diesem Foto auf dieses Foto.

Spiegelbild

Bild

Hier sieht man, wie der Spiegel funktioniert. Er reflektiert das Original, aber es verändert nicht die Struktur, es reflektiert 1:1, auch wenn er das Bild andersherum dreht.
Ein Vergleich zwischen einem reflektiertem Bild, das auch Lichtverhältnisse und andere Dinge mitspiegelt, aber eben korrekt proportiniert und einem Foto, wo die Kamera viel verfälschen kann, Schatten und Licht nicht original wieder gibt, kann einfach nicht fair sein.

Schatten und Licht

Habt ihr mit dem Smartphone schon mal ein Bild im Bad bei Glühbirnenlicht geknipst?
Auf dem Bild wirkt der Raum dunkler, als er eigentlich ist, das Licht hat auch einen anderen Kontrast. Die Kamera gibt die Lichtverhältnisse nicht so wieder, wie ihr es seht.
Kurioserweise, wenn ihr vor einem Spiegel steht und fotografiert, könnt ihr Schattierungen im Gesicht im Spiegel sehen, aber auf der Kamera auf dem Bild sind sie nicht so vorhanden, wie ihr es seht.
Bei Tageslicht ist die Helligkeit soweit in Ordnung. Wohlgemerkt: die Helligkeit.
Wo hier Profis selbst bei Tageslicht mit großen Stoffwänden das Licht der Sonne für die DSLR regulieren, soll das Smartphone das nicht nötig haben? Auch bei Tageslicht sehen meine Bilder mehr blass als knackig aus, die Haare sehen meist matt und nicht so voluminös aus wie im Spiegel, auch hier sitzen Details nicht richtig.

Wenn jetzt also ein Mensch nicht fotogen ist, weil in seinem Aussehen Details sitzen, die wir als Mensch wahrnehmen können, aber eine Kamera gerne verfälscht und verzerrt oder gar auslässt, sie verwischt oder verblassen lässt, da sie zart sind und sich diese Effekte noch verstärken, wenn Licht und Winkel zusammenkommen, ist es dann ein reiner Mere Exposure?

Randbemerkungen
Ich habe auch schon Selfies von Stars gesehen, bei denen man die Wirkung mancher Objektive wunderbar sehen kann.

Manche Spiegel verzerren auch, da sie nicht mehr glatt sind.
Gruß,
der, der auf Tischen tanzt
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wunderkind
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Beiträge: 148
Registriert: Mi Mär 14, 2018 12:28 am
Hat sich bedankt: 1 Mal

Mo Mai 14, 2018 2:35 am

Ich finde auch, dass die meisten Leute auf Smartphones leicht verzogen aussehen.
Ich kenne auch jemanden, der sich mehr auf Smartphones gefällt als auf Bildern mit Digitalkamera.
Aber ich seh oft auf Smartphones auch kaum aus wie ein Mensch.
Ich finde in der Hinsicht Smartphones einfach schrecklich, zumal sie mich auch viel jünger machen, habe ich das Gefühl.
Viele gute Fotos gelingt mir mit den Dingern nicht.
Die Welt ist voller Wunder. Man muss sie nur suchen. Und suchen. Und suchen.
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